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Kurz beantwortet: Sektorrotation bei Aktien erkennst du an der relativen Stärke. Du vergleichst einen Sektor nicht mit seinem eigenen Kursverlauf, sondern mit dem Gesamtmarkt. Das einfachste Werkzeug ist ein Ratio-Chart, etwa ein Sektor-ETF geteilt durch einen Index-ETF. In TradingView tippst du dafür zum Beispiel XLK/SPY in die Symbolsuche. Steigt die Linie über mehrere Wochen, läuft der Sektor besser als der Markt. Ergänzend helfen Relative Rotation Graphs (RRG) und Ranglisten. Wer den Überblick über viele Bereiche fertig aufbereitet will, kann ein Tool wie das Money Flow Tape nutzen. Das stelle ich unten ehrlich vor.
Stand: Oktober 2026. Funktionsangaben zu TradingView laut Help Center, zum RRG laut StockCharts und State Street, zum Money Flow Tape laut Produktseite von indicator.trading.
Was Sektorrotation bedeutet
An der Börse wandert Kapital ständig zwischen Branchen. Mal führen Technologiewerte, dann wieder Energie, Banken oder defensive Bereiche wie Versorger und Basiskonsum. Diese Umschichtung nennt man Sektorrotation. Für Trendfolger ist sie wertvoll: Starke Aktien kommen selten allein. Wenn ein ganzer Sektor Rückenwind hat, laufen viele Einzelwerte darin leichter.
Das bekannte Lehrbuchmodell ordnet den Konjunkturphasen typische Sektoren zu: früh im Aufschwung eher Zykliker und Finanzwerte, später Rohstoffe und Energie, in der Abschwächung defensive Branchen. In der Praxis ist das Modell nur ein grobes Raster, denn Konjunkturphasen erkennt man meist erst im Nachhinein. Ich schaue deshalb lieber darauf, was der Markt jetzt tut, und das zeigt die relative Stärke.
🐹 Hamster-Regel: Stärke kommt in Rudeln.
Ich suche Trendaktien bevorzugt in Sektoren, die den Markt seit Wochen schlagen. Ein starker Einzelwert in einem schwachen Sektor hat es meist schwerer.
Methode 1: Der Ratio-Chart in TradingView
TradingView kann mit Symbolen rechnen. Laut Help Center kombinierst du Symbole auf den Supercharts mit +, −, * und / zu einem sogenannten Spread-Chart. Eine Division zeigt, wie sich zwei Instrumente zueinander entwickeln.
- Öffne die Symbolsuche (Strg+K unter Windows, Cmd+K auf dem Mac).
- Gib den Sektor-ETF ein, dann den Schrägstrich und den Vergleichswert, zum Beispiel
XLE/SPYfür US-Energie gegen den S&P-500-ETF. - Bestätige mit Enter. Du siehst jetzt eine Linie statt eines normalen Kurscharts.
- Stelle die Zeiteinheit auf Tag oder Woche und lege einen gleitenden Durchschnitt über die Linie, etwa 50 Tage oder 10 Wochen.
- Speichere die Formel in einer Watchlist, damit du sie jederzeit wieder aufrufen kannst.
So liest du das Ergebnis: Steigt die Linie, läuft der Sektor besser als der Markt, auch wenn beide fallen. Ein Sektor kann zum Beispiel 5 % zulegen und trotzdem relativ schwach sein, wenn der Index um 8 % steigt. Genau das zeigt der normale Chart nicht. Achte auf den Trend der Linie über einige Wochen, nicht auf einzelne Tage.
Eine Beispiel-Watchlist (US-Sektoren)
Für einen schnellen Überblick eignen sich die elf Select-Sector-ETFs, jeweils geteilt durch SPY. Die Auswahl ist ein Beispiel, keine Empfehlung:
| Sektor | Formel in TradingView |
|---|---|
| Technologie | XLK/SPY |
| Finanzen | XLF/SPY |
| Energie | XLE/SPY |
| Gesundheit | XLV/SPY |
| Industrie | XLI/SPY |
| Zyklischer Konsum | XLY/SPY |
| Basiskonsum | XLP/SPY |
| Versorger | XLU/SPY |
| Grundstoffe | XLB/SPY |
| Immobilien | XLRE/SPY |
| Kommunikation | XLC/SPY |
Zwei Hinweise aus der TradingView-Hilfe: Ein Spread darf höchstens 10 verschiedene Symbole enthalten, und Spread-Charts können „repainten“, weil Echtzeitbalken auf Tickdaten und historische Balken auf Minutendaten beruhen. Für die Wochenbetrachtung ist das kaum relevant, bei Alarmen solltest du es wissen. Wie du Watchlists sinnvoll aufbaust, steht in TradingView-Watchlist erstellen.
Methode 2: Relative Rotation Graphs (RRG)
Ein RRG packt alle Sektoren in ein Bild. Waagerecht steht die relative Stärke gegenüber einer Benchmark (JdK RS-Ratio), senkrecht deren Veränderung (JdK RS-Momentum). Laut State Street und StockCharts ergeben sich vier Quadranten:
| Quadrant | Bedeutung |
|---|---|
| Leading (führend) | relativ stark, Momentum positiv |
| Weakening (abschwächend) | noch stark, verliert aber Tempo |
| Lagging (nachlaufend) | relativ schwach, Momentum negativ |
| Improving (verbessernd) | noch schwach, Momentum dreht nach oben |
Typisch ist eine Bewegung im Uhrzeigersinn. In sehr starken Trends kann ein Sektor aber auch zwischen „Leading“ und „Weakening“ hin- und herpendeln, ohne die andere Seite zu erreichen. Ein RRG ist kein Handelssystem mit Kauf- und Verkaufsregeln. Er beschreibt einen Zustand. Kostenlose RRGs bieten zum Beispiel StockCharts und die Sector Momentum Map von State Street.
Methode 3: Rangliste und Breite
Der dritte Blick ist der einfachste. Sortiere die Sektoren nach ihrer Performance über 1, 3 und 6 Monate. Wer arbeitet sich nach oben, wer fällt zurück? Dann schaust du in den führenden Sektor hinein: Wie viele Einzelaktien stehen über ihrem 200-Tage-Durchschnitt oder auf neuen Hochs? Viele starke Einzelwerte bestätigen die Rotation. Wie ich danach konkrete Trendaktien filtere, zeige ich in Trendaktien mit TradingView finden.
Typische Fehler
- Einzeltage überbewerten: Ein starker Tag ist Rauschen. Rotation zeigt sich über Wochen.
- Nur absolute Kurse anschauen: Ohne Vergleich zum Markt siehst du keine Rotation.
- Zu spät einsteigen: Wenn ein Sektor schon lange führt, ist viel Bewegung gelaufen. Achte auf „Improving“-Kandidaten.
- Konjunkturprognose statt Daten: Das Lehrbuchmodell ersetzt keine Beobachtung.
Tool-Vorstellung: Money Flow Tape von indicator.trading
Offen gesagt
Ich habe das Money Flow Tape nicht selbst getestet. Die folgenden Angaben stammen von der Produktseite des Anbieters (abgerufen im Oktober 2026). Der Link ist ein Partnerlink.
Was es laut Anbieter ist: ein webbasiertes Werkzeug, das zeigt, in welche Bereiche des Marktes Kapital rotiert. Gemessen werden 17 Bereiche: Sektoren, Anlageklassen, Regionen, Krypto und Devisen. Die Daten reichen laut Anbieter täglich bis 2019 zurück. Grundlage ist die relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt, also dasselbe Prinzip wie beim Ratio-Chart, nur fertig aufbereitet. Ein kurzer und ein langer Betrachtungszeitraum werden verglichen, und gegenläufige Signale werden markiert.
Module laut Anbieter:
- Exposure-Matrix und Heatmap für den Überblick
- Rotations-Quadrant, ähnlich einem RRG
- Events (9 Ereignistypen mit historischen Basisraten) und „Wirkungsketten“
- Trader-Score
- Briefing am Samstag und ein monatlicher Rückblick
Was es ausdrücklich nicht ist: Der Anbieter schreibt, dass er keine Signale, Prognosen oder Anlageberatung liefert. Wichtig für dein Verständnis: Die angezeigten „Flows“ sind keine echten Fondszuflüsse. Sie werden laut Anbieter aus relativer Stärke sowie Volumen- und Positionierungsdaten berechnet und erscheinen mit mindestens einem Tag Verzögerung. Als Datenquellen nennt der Anbieter kommerzielle Datenanbieter, die Datenbank der US-Notenbank und Positionierungsdaten der US-Aufsicht.
Preis: 14 Tage kostenlos testen, danach laut Anbieter ab 8,95 € im Monat bei jährlicher Zahlung (107,40 € pro Jahr inklusive Mehrwertsteuer). Kündbar jederzeit, die Abwicklung läuft über Digistore24. Andere Laufzeiten und deren Preise prüfst du bitte direkt auf der Produktseite.
Für wen kann es passen?
Eher zu dir, wenn … du nicht jede Woche elf oder mehr Ratio-Charts selbst durchgehen willst, auch Anlageklassen und Regionen im Blick haben möchtest und mit einem Wochen-Briefing gut arbeiten kannst.
Eher nicht, wenn … dir die Watchlist mit Ratio-Charts in TradingView reicht. Die kostet dich nichts außer etwas Zeit. Und wenn du konkrete Kaufsignale erwartest, ist das Tool laut eigener Aussage nicht dafür gemacht.
Mein Vorschlag: Bau dir zuerst die kostenlose Ratio-Watchlist. Wenn du merkst, dass dir der Überblick wichtig ist, aber die Zeit fehlt, nutze die 14 Tage Test und vergleiche das Tool mit deiner eigenen Liste.
Money Flow Tape 14 Tage kostenlos testen*
* Partnerlink. Danach ab 8,95 €/Monat bei jährlicher Zahlung laut Anbieter (Stand Oktober 2026).
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FAQ
Woran erkenne ich Sektorrotation bei Aktien?
An der relativen Stärke: Ein Sektor schlägt den Gesamtmarkt über mehrere Wochen. Am einfachsten siehst du das in einem Ratio-Chart wie XLK/SPY.
Wie erstelle ich einen Ratio-Chart in TradingView?
Gib in der Symbolsuche zwei Symbole mit Schrägstrich ein, zum Beispiel XLE/SPY, und drücke Enter. TradingView berechnet daraus einen Spread-Chart.
Was ist ein Relative Rotation Graph?
Ein Diagramm mit relativer Stärke und deren Momentum. Es teilt Sektoren in die Quadranten Leading, Weakening, Lagging und Improving ein.
Zeigt das Money Flow Tape echte Geldflüsse?
Nein. Laut Anbieter werden die Flows aus relativer Stärke, Volumen- und Positionierungsdaten berechnet. Echte Fondszuflüsse sind es nicht.
Was kostet das Money Flow Tape?
Laut Anbieter 14 Tage kostenlos, danach ab 8,95 € im Monat bei jährlicher Zahlung (107,40 € pro Jahr), jederzeit kündbar (Stand Oktober 2026).
Kann ich mit Sektorrotation den Markt schlagen?
Das ist nicht garantiert. Sektorrotation beschreibt die Gegenwart. Ob ein führender Sektor weiter führt, weiß niemand vorher.
Quellen
- TradingView Help Center: Spread-Charts
- TradingView Help Center: Symbolsuche
- StockCharts ChartSchool: Relative Rotation Graphs
- State Street: Guide to the Sector Momentum Map
- indicator.trading: Money Flow Tape (Produktseite)
Risikohinweis – keine Anlageberatung
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Beispiele sind rein illustrativ. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Sektor-ETFs und Ratio-Charts sind hier Beispiele zur Erklärung. Vergangene relative Stärke ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Prüfe vor jeder Entscheidung die aktuellen Unterlagen und Konditionen des jeweiligen Anbieters.
Über den Autor: René schreibt als Trendaktienhamster über TradingView, Trendaktien und Broker – mit über 30 Jahren Börse im Rücken und dem Ziel, dass du Werkzeuge verstehst, bevor du sie einsetzt. Mehr über René
