Werkzeuge werden erst dann nützlich, wenn sie in einer festen Reihenfolge zusammenarbeiten. Dieser TradingView-Workflow führt Anfänger vom ersten Screener-Treffer bis zur dokumentierten Übungsorder im Paper Trading – ohne aus jedem grünen Pfeil gleich eine Lebensentscheidung zu machen.
Stand: September 2026. Oberfläche, Funktionen und Tarifgrenzen können sich ändern. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben von TradingView.

Der Workflow in fünf Schritten
- Screener: Kandidaten mit vorher festgelegten Kriterien finden.
- Watchlist: Treffer ordnen und Beobachtungsgrund notieren.
- Chart: Trend, Kursstruktur und relevante Marken prüfen.
- Alarm: Auf eine definierte Bedingung warten.
- Paper Trade: Einstieg, Stop, Positionsgröße und Ausstieg ohne echtes Geld üben.
🐹 Hamster-Regel: Erst Plan, dann Klick – und manchmal ist kein Trade der beste Trade.
Was das bedeutet: Der Ablauf soll schlechte Entscheidungen aussortieren. Wenn Bedingung, Risiko oder Datenlage unklar sind, ist das Auslassen des Trades ein korrektes Ergebnis.
Schritt 1: Eine konkrete Screener-Frage stellen
Beginne nicht mit möglichst vielen Filtern, sondern mit einer klaren Frage. Beispiel: Welche liquiden Aktien befinden sich über einem langfristigen Trendfilter und zeigen positive relative Stärke? Lege Markt, Mindestliquidität und technische Kriterien fest. Die ausführliche Einrichtung findest du in unserer TradingView-Screener-Anleitung.
Speichere die Filterfolge oder dokumentiere sie. Nur ein wiederholbarer Screen lässt sich später beurteilen. Passe die Kriterien nicht nach jedem enttäuschenden Treffer spontan an.
Schritt 2: Treffer in eine kleine Watchlist übernehmen
Öffne Kandidaten einzeln und prüfe Symbol, Börsenplatz sowie auffällige Unternehmensereignisse. Übernimm nicht die komplette Trefferliste. Eine kurze TradingView-Watchlist zwingt dich zu Prioritäten und erleichtert die spätere Kontrolle.
Notiere pro Wert einen Satz: Warum wird er beobachtet und welche Bedingung würde die Idee ungültig machen? Fehlt diese Antwort, fehlt meist auch die Idee.
Schritt 3: Den Chart von groß nach klein prüfen
- Wochenchart: übergeordneten Trend und markante Hochs oder Tiefs einordnen.
- Tageschart: Kursstruktur, Unterstützungen, Widerstände und Volumen prüfen.
- Kleinerer Zeitrahmen: nur verwenden, wenn die eigenen Regeln einen präziseren Einstieg benötigen.
Nutze ein sauberes TradingView-Chart-Setup und feste Zeitrahmen. Zu viele Indikatoren erhöhen selten die Qualität, aber zuverlässig die Farbvielfalt.
Schritt 4: Eine überprüfbare Bedingung als Alarm setzen
Formuliere eine konkrete Bedingung: etwa das Überschreiten einer Kursmarke oder den Schlusskurs über einem definierten Niveau. Wähle Auslöser und Intervall bewusst. Bei indikator- oder zeichnungsabhängigen Alarmen beeinflusst das Intervall die Berechnung.
Wenn du die Einstellungen eines Indikators später änderst, verwendet ein bereits angelegter Alarm nach Angaben von TradingView weiterhin seine ursprünglichen Einstellungen. Erstelle ihn deshalb bei grundlegenden Änderungen neu und teste die Benachrichtigung. Mehr dazu steht in der Alarm-Anleitung.
Schritt 5: Den Ablauf im Paper Trading testen
Ein ausgelöster Alarm ist noch keine Order. Prüfe erneut, ob die Ausgangslage gültig ist. Definiere vorab Einstieg, Stop-Niveau, maximalen Verlust und Ausstiegsregel. Danach kannst du die Order im TradingView Paper Trading üben.
Verwende ein realistisches Übungskapital und dokumentiere auch Gebührenannahmen, Slippage und ausgelassene Trades. Virtuelles Geld ist geduldig; schlechte Gewohnheiten leider ebenfalls.
Eine kompakte Routine
Am Wochenende
- Screener mit unveränderten Kriterien ausführen.
- Watchlist bereinigen und wenige Kandidaten priorisieren.
- Wochen- und Tagescharts prüfen.
Während der Woche
- Alarme statt Dauerbeobachtung nutzen.
- Nur bei erfüllter Bedingung erneut analysieren.
- Paper Trades mit vollständigem Plan erfassen.
Nach 20 Übungstrades
- Regeltreue, durchschnittliches Risiko und Ergebnis getrennt auswerten.
- Fehler nach Prozess, nicht nur nach Gewinn oder Verlust beurteilen.
- Immer nur eine Regeländerung gleichzeitig testen.
Arbeitsblatt für jeden Kandidaten
- Symbol und Börsenplatz:
- Grund für den Screener-Treffer:
- Übergeordneter Trend:
- Relevante Kursmarke:
- Alarmbedingung und Intervall:
- Geplanter Einstieg und Stop:
- Maximaler Verlust:
- Ergebnis und wichtigste Erkenntnis:
Wann kein Trade die beste Entscheidung ist
Wenn Kursmarke, Risikogrenze oder Datenlage unklar sind, endet der Workflow ohne Order. Das ist kein Fehler, sondern ein funktionierender Filter. Ziel der Übung ist nicht maximale Aktivität, sondern ein nachvollziehbarer Prozess.
Häufige Fragen
Muss jeder Screener-Treffer gehandelt werden?
Nein. Der Screener reduziert nur das Suchfeld. Chartprüfung, Risiko und eigene Regeln entscheiden, ob überhaupt weitergearbeitet wird.
Warum erst Paper Trading?
Damit du Bedienung und Regeln testen kannst, ohne echtes Kapital einzusetzen. Die Simulation bildet Emotionen und reale Ausführung dennoch nicht vollständig ab.
Wie lange sollte der Workflow getestet werden?
Einzelne Ergebnisse sagen wenig aus. Dokumentiere eine ausreichend große, einheitlich durchgeführte Stichprobe und ändere nicht mehrere Regeln gleichzeitig.
Offizielle Quellen
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Hinweis: Die Inhalte dienen der Weiterbildung und stellen keine Anlageberatung oder Gewinnzusage dar. Börsenhandel ist mit Verlustrisiken verbunden.
