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Kurz beantwortet: Ein Fibonacci-Retracement zeichnest du in TradingView mit dem Werkzeug „Fib-Retracement“ aus der Gruppe „Fibonacci und Gann“ in der linken Zeichenleiste. Im Aufwärtstrend klickst du zuerst auf das markante Tief und ziehst dann zum markanten Hoch. Im Abwärtstrend gehst du vom Hoch zum Tief. TradingView teilt die Strecke dazwischen automatisch in Levels wie 23,6 %, 38,2 %, 50 %, 61,8 % und 78,6 % ein. Per Doppelklick passt du Levels, Farben und Beschriftungen an. Wenn du die Levels nicht selbst zeichnen willst, gibt es fertige Fibonacci-Indikatoren, zum Beispiel den kostenpflichtigen Fibo Cross von Kagels Trading. Den stelle ich weiter unten ehrlich vor.
Stand: Oktober 2026. Funktionsangaben zu TradingView laut TradingView Help Center, Angaben zum Fibo Cross laut Produktseite von Kagels Trading.
Was ein Fibonacci-Retracement zeigt
Die Idee ist alt und einfach: Nach einer starken Bewegung kommt der Kurs oft ein Stück zurück, bevor es weitergeht. Das Fibonacci-Retracement legt Linien in festen Prozentabständen zwischen zwei Extrempunkte. TradingView beschreibt das Werkzeug so: Die Levels entstehen, indem zwei Extrempunkte verbunden werden, und die vertikale Distanz dazwischen wird mit horizontalen Linien aufgeteilt. Diese Linien können als mögliche Unterstützungen oder Widerstände dienen, wenn der Kurs korrigiert.
Die bekanntesten Werte 23,6 %, 38,2 % und 61,8 % leiten sich aus Verhältnissen der Fibonacci-Zahlenfolge ab. Die 50-%-Linie ist streng genommen keine Fibonacci-Zahl, wird aber fast immer mit angezeigt. Wichtig für dich: Fibonacci-Levels sind keine Naturgesetze. Sie funktionieren, wenn überhaupt, weil viele Marktteilnehmer auf dieselben Zonen schauen. Nach über 30 Jahren Börse sehe ich sie als Landkarte für mögliche Reaktionszonen, nicht als Vorhersage.
🐹 Hamster-Regel: Fibonacci zeigt Zonen, keine Wendepunkte.
Ein Level ist ein Ort, an dem du genauer hinschaust. Ob der Kurs dort dreht, zeigt erst die Kursreaktion. Plane deinen Stop deshalb unterhalb der Zone, nicht exakt auf der Linie.
Schritt für Schritt: Fibonacci-Retracement in TradingView einzeichnen
- Trend bestimmen: Öffne den Chart in einer übergeordneten Zeiteinheit, etwa Tag oder Woche. Gibt es eine klare Bewegung mit höheren Hochs und Tiefs (aufwärts) oder tieferen Hochs und Tiefs (abwärts)? Wenn nicht, lass das Werkzeug weg.
- Werkzeug öffnen: In der linken Zeichenleiste findest du die Gruppe „Fibonacci und Gann“. Wähle dort „Fib-Retracement“. Mit dem Sternsymbol legst du es in deine Favoriten.
- Erster Punkt: Im Aufwärtstrend klickst du auf das markante Tief, an dem die Bewegung begann.
- Zweiter Punkt: Ziehe zum markanten Hoch und klicke erneut. TradingView zeichnet die Levels automatisch. Im Abwärtstrend gehst du umgekehrt vom Hoch zum Tief.
- Feinjustieren: Doppelklick auf die Zeichnung öffnet die Einstellungen. Unter „Koordinaten“ setzt du Preis und Balken beider Punkte exakt.
- Prüfen: Liegen die 0- und 100-%-Linie wirklich auf den Extrempunkten? Wenn du Dochte statt Schlusskurse nutzt, mach das bei jedem Chart gleich.
Die wichtigsten Einstellungen
Laut TradingView kannst du im Fib-Retracement bis zu 24 Levels festlegen, inklusive 0 % und 100 %. Werte zwischen 0 und 1 sind interne Retracement-Levels, Werte über 1 externe Levels und Werte unter 0 Erweiterungen. Jedes Level lässt sich per Häkchen ein- und ausblenden. Im Reiter „Stil“ findest du unter anderem:
- Linien nach rechts/links erweitern: hilfreich, damit die Zonen auch in der Zukunft sichtbar bleiben.
- Hintergrund: färbt die Flächen zwischen den Levels. Weniger Deckkraft wirkt aufgeräumter.
- Umkehren: spiegelt die Zeichnung vertikal, also 0 % und 100 % tauschen die Seiten.
- Preise und Levels: blenden den absoluten Kurs und den Prozentwert neben jeder Linie ein.
- Fib-Levels basierend auf Log-Skala: rechnet die Levels bei logarithmischer Skala anders. Bei Aktien mit großen Kursbewegungen kann das einen deutlichen Unterschied machen.
Mein Tipp: Blende alles aus, was du nicht nutzt. Für Rücksetzer in Trendaktien reichen mir oft 38,2 %, 50 % und 61,8 %. Wie du deinen Chart insgesamt ruhig und lesbar einrichtest, zeige ich in TradingView-Chart richtig einstellen.
Ein Beispiel (rein illustrativ)
Eine Aktie steigt von 80 € auf 120 €. Die Strecke beträgt 40 €. Daraus ergeben sich diese Retracement-Levels:
| Level | Rechnung | Kurs |
|---|---|---|
| 23,6 % | 120 − 0,236 × 40 | 110,56 € |
| 38,2 % | 120 − 0,382 × 40 | 104,72 € |
| 50 % | 120 − 0,5 × 40 | 100,00 € |
| 61,8 % | 120 − 0,618 × 40 | 95,28 € |
| 78,6 % | 120 − 0,786 × 40 | 88,56 € |
Kommt der Kurs in die Zone zwischen 104,72 € und 100 € zurück und zeigt dort eine Gegenreaktion, etwa eine kräftige grüne Kerze mit Volumen, wäre das für einen Trendfolger ein Ort zum genaueren Hinsehen. Ein Stop könnte dann unter der 61,8-%-Linie liegen. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Empfehlung.
Typische Fehler beim Einzeichnen
- Kleine Wackler statt großer Bewegungen: Wer jeden Mini-Swing vermisst, findet überall Levels und am Ende nichts Brauchbares.
- Falsche Richtung: Im Aufwärtstrend vom Tief zum Hoch, nicht umgekehrt. Sonst stehen die Prozentwerte verkehrt.
- Passend gezeichnet: Die Punkte so lange verschieben, bis ein Level „passt“, ist Selbstbetrug.
- Kein Bestätigungssignal: Ein Level allein ist kein Einstieg. Warte auf eine Reaktion des Kurses.
- Kein Stop: Auch die schönste 61,8-%-Zone kann durchbrochen werden.
Fibonacci als Indikator statt Zeichnung
Das Zeichenwerkzeug hat einen Nachteil: Du musst jeden Chart selbst bearbeiten, und jeder setzt die Punkte ein wenig anders. In der Community-Bibliothek von TradingView gibt es deshalb Skripte, die Fibonacci-Levels automatisch aus Hochs und Tiefs berechnen. Kostenlose Varianten findest du über „Indikatoren“ und die Suche nach „Auto Fib“ oder „Fibonacci“. Prüfe vor der Nutzung, nach welchen Regeln das Skript die Extrempunkte wählt. Grundsätzliches zur Auswahl von Indikatoren erkläre ich in TradingView-Indikatoren für Anfänger.
Transparenz: Der folgende TradingView-Link ist ein Affiliate-Link.
* Partnerlink. Das Fib-Retracement ist auch im kostenlosen Basic-Tarif verfügbar.
Produktvorstellung: Fibo Cross von Kagels Trading
Offen gesagt
Ich habe den Fibo Cross nicht selbst getestet. Die folgenden Angaben stammen von der Produktseite des Anbieters (abgerufen im Oktober 2026). Anbieterangaben sind keine unabhängig bestätigten Ergebnisse. Der Link ist ein Partnerlink.
Was der Fibo Cross laut Anbieter ist: ein kostenpflichtiger TradingView-Indikator von Kagels Trading, der Einstiegssignale auf Basis von Fibonacci-Levels erzeugt. Je nach Setup zeigt er dazu Stop-Loss, Take-Profit und Break-even direkt im Chart.
Funktionen laut Anbieter:
- Signalmodi „aggressiv“, „ausgewogen“ und „konservativ“, umschaltbar per Klick
- Performance-Dashboard und, seit dem Update 2026, ein Backtesting-Dashboard sowie fertige Presets
- automatisches 1:1-Setup: Beim ersten Ziel ein 50-%-Teilverkauf, die Restposition wird auf Break-even gesetzt (als Markierung im Chart)
- Alarmfunktion für Smartphone, Tablet und Desktop
- nutzbar laut Anbieter für jeden in TradingView abrufbaren Markt und jede Zeiteinheit
- 8 Erklärvideos zu Installation, Einstellungen, Dashboard sowie „Stärken und Schwächen“
Preis und Zugang: 350 € als Einmalzahlung, kein Abo, Updates inklusive. Du gibst beim Kauf deinen TradingView-Benutzernamen an. Die Freischaltung erfolgt laut Anbieter in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Danach findest du das Skript unter „Indikatoren“ → „Auf Einladung“. Ein kostenpflichtiges TradingView-Abo ist laut Anbieter nicht nötig, der kostenlose Basic-Tarif hat aber Einschränkungen. Eine Testversion gibt es nicht.
Für wen kann er passen?
Eher zu dir, wenn … du regelbasiert mit Fibonacci-Zonen arbeiten willst, dir eine fertige Struktur mit Stop- und Zielmarken hilft und du bereit bist, das Werkzeug erst im Paper Trading kennenzulernen.
Eher nicht, wenn … du ein Signal suchst, das dir das Denken abnimmt, oder wenn 350 € für dich viel Geld im Verhältnis zu deinem Depot sind. Dann sind das kostenlose Zeichenwerkzeug und Community-Skripte der bessere Start.
Worauf ich vor dem Kauf achten würde
- Performance-Dashboards zeigen die Vergangenheit. Ein Dashboard, das die „aktuell besten“ Einstellungen anzeigt, birgt das Risiko der Überoptimierung. Was gestern funktioniert hat, muss morgen nicht funktionieren.
- Kosten fehlen oft: Prüfe, ob Gebühren und Spreads in den angezeigten Werten berücksichtigt sind.
- Repainting: Frage nach, ob Signale nachträglich verschoben werden können. Das ist bei Indikatoren mit Hochs und Tiefs ein bekanntes Thema.
- Erst üben: Nutze die Signale einige Wochen im Paper Trading, bevor echtes Geld fließt.
Weitere Indikatoren von Kagels Trading ordne ich auf der Seite TradingView-Indikatoren von Kagels ein.
Fibo Cross beim Anbieter ansehen*
* Partnerlink. 350 € Einmalzahlung laut Anbieter (Stand Oktober 2026), keine Testversion.
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FAQ
Wo finde ich das Fibonacci-Werkzeug in TradingView?
In der linken Zeichenleiste in der Gruppe „Fibonacci und Gann“. Dort wählst du „Fib-Retracement“. Mit dem Stern legst du es in die Favoriten.
Zeichne ich Fibonacci vom Tief zum Hoch oder umgekehrt?
Im Aufwärtstrend vom markanten Tief zum markanten Hoch, im Abwärtstrend vom Hoch zum Tief. So stehen die Prozentwerte richtig.
Welche Fibonacci-Levels sind die wichtigsten?
Am häufigsten werden 38,2 %, 50 % und 61,8 % genutzt, dazu oft 23,6 % und 78,6 %. TradingView erlaubt bis zu 24 eigene Levels.
Gibt es einen kostenlosen Fibonacci-Indikator für TradingView?
Ja, in der Community-Bibliothek gibt es Auto-Fibonacci-Skripte. Prüfe, wie sie Hochs und Tiefs bestimmen, bevor du dich darauf verlässt.
Was kostet der Fibo Cross Indikator?
Laut Kagels Trading 350 € als Einmalzahlung, ohne Abo und mit Updates. Eine Testversion wird nicht angeboten (Stand Oktober 2026).
Funktioniert Fibonacci zuverlässig?
Nein, kein Werkzeug funktioniert zuverlässig. Fibonacci-Levels markieren mögliche Reaktionszonen. Ob der Kurs dort dreht, zeigt erst das Kursgeschehen.
Quellen
- TradingView Help Center: Zeichnung Fibonacci-Retracement
- TradingView Help Center: Die Zeichentools bei TradingView
- Kagels Trading: Fibo Cross für TradingView (Produktseite)
Risikohinweis – keine Anlageberatung
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Beispiele sind rein illustrativ. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Signalindikatoren liefern keine Garantie. Ergebnisse aus Dashboards oder Backtests sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Prüfe vor jeder Entscheidung die aktuellen Unterlagen und Konditionen des jeweiligen Anbieters.
Über den Autor: René schreibt als Trendaktienhamster über TradingView, Trendaktien und Broker – mit über 30 Jahren Börse im Rücken und dem Ziel, dass du Werkzeuge verstehst, bevor du sie einsetzt. Mehr über René
