Werbung: Mit * markierte Links sind Affiliate- bzw. Partnerlinks. Wenn du darüber etwas abschließt, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Kurz beantwortet: Die Relative Stärke nach Levy (RSL) teilt den aktuellen Kurs durch seinen gleitenden Durchschnitt der letzten 27 Wochen. Ein Wert über 1 heißt: Die Aktie notiert über ihrem Halbjahresschnitt. In TradingView bekommst du den RSL am einfachsten über ein Community-Skript oder über acht Zeilen eigenes Pine Script. Mit dem Pine Screener sortierst du anschließend eine Watchlist oder einen Index wie den DAX nach RSL. So siehst du auf einen Blick, welche Werte gerade relativ stark laufen.
In diesem Beitrag zeige ich dir die Formel, das Setup für Wochen- und Tageschart, den fertigen Pine-Code und eine einfache Screening-Routine. Und ich sage dir ehrlich, wo die Kennzahl an ihre Grenzen stößt.
Stand: Oktober 2026. Funktionsangaben zu TradingView laut TradingView Help Center und Blog. Tarife und Funktionen können sich ändern.
Die Idee hinter der Relativen Stärke nach Levy
Robert A. Levy hat die Kennzahl 1967 im Journal of Finance vorgestellt („Relative Strength as a Criterion for Investment Selection“). Seine Frage war einfach: Laufen Aktien, die in den letzten Monaten stark waren, auch danach überdurchschnittlich? Dafür brauchte er ein Maß, das Aktien mit ganz unterschiedlichen Kursen vergleichbar macht. Seine Lösung war das Verhältnis aus aktuellem Kurs und dem Durchschnitt der vergangenen Wochen.
Levy hat die Titel jede Woche nach diesem Wert sortiert und die stärksten mit den schwächsten verglichen. Daraus ist im deutschsprachigen Raum die „RSL-Strategie“ geworden: Man kauft die Spitzengruppe einer Rangliste und tauscht regelmäßig aus. Wichtig für dich: Die Rangliste ist das Herzstück, nicht ein fester Schwellenwert.
RSL ist nicht RSI
Die Namen klingen ähnlich, die Kennzahlen haben aber nichts miteinander zu tun. Der RSI (Relative Strength Index nach J. Welles Wilder) vergleicht Kursgewinne und -verluste, meist über 14 Perioden, und pendelt zwischen 0 und 100. Er wird oft als Überkauft-überverkauft-Indikator genutzt. Der RSL hat keine Obergrenze und misst nur, wie weit der Kurs über oder unter seinem eigenen Durchschnitt liegt. Ein hoher RSL ist im Sinne Levys gerade kein Verkaufssignal, sondern ein Zeichen von Stärke.
Die Formel
RSL = aktueller Kurs ÷ gleitender Durchschnitt der letzten 27 Wochenschlusskurse
Der aktuelle Kurs zählt dabei selbst zu den 27 Werten. Levy beschrieb den Durchschnitt als Reihe, die mit dem Kurs der aktuellen Woche endet und die 26 Wochen davor einschließt. Deshalb liest du oft auch von „26 Wochen“. Gemeint ist meist dasselbe Fenster von rund einem halben Jahr.
Beispiel (rein illustrativ): Eine Aktie schließt diese Woche bei 55 €. Die letzten 27 Wochenschlusskurse ergeben zusammen 1.350 €. Der Durchschnitt liegt also bei 1.350 ÷ 27 = 50 €. Der RSL beträgt 55 ÷ 50 = 1,10. Die Aktie notiert 10 % über ihrem Halbjahresschnitt.
| RSL-Wert | Bedeutung |
|---|---|
| über 1,00 | Kurs liegt über seinem 27-Wochen-Durchschnitt |
| genau 1,00 | Kurs liegt auf dem Durchschnitt |
| unter 1,00 | Kurs liegt unter seinem 27-Wochen-Durchschnitt |
27 Wochen oder 130 Tage?
Levy hat mit Wochenschlusskursen gerechnet. Im Wochenchart von TradingView stellst du deshalb 27 Perioden ein. Viele Trader schauen aber lieber auf den Tageschart. Dort entsprechen 26 Wochen rund 130 Handelstagen (26 × 5). Die Tagesvariante reagiert etwas schneller, weil jeder Tag den Durchschnitt verändert, und ist nicht Levys Original. Entscheide dich für eine Variante und bleib dabei. Wer ständig zwischen 27 Wochen und 130 Tagen wechselt, vergleicht Äpfel mit Birnen.
🐹 Hamster-Regel: Eine Rangliste ist nur so gut wie ihre Konstanz.
Lege einmal fest: Wochenchart, 27 Perioden, Auswertung immer am Wochenende. Dann ist dein RSL von heute mit dem von letzter Woche vergleichbar. Das ist wichtiger als die perfekte Periodenlänge.
RSL in TradingView hinzufügen
Weg 1: Community-Skript
In der öffentlichen Skript-Bibliothek von TradingView gibt es fertige RSL-Indikatoren, zum Beispiel das Open-Source-Skript „Relative Strength Levy“. Öffne im Chart „Indikatoren“, suche nach „Relative Strength Levy“ oder „RSL“ und füge das Skript hinzu. Prüfe vorher im Quellcode, wie gerechnet wird: einfacher oder exponentieller Durchschnitt, Standardlänge und Datenquelle. Community-Skripte stammen von Nutzern, nicht von TradingView, und können jederzeit geändert werden.
Weg 2: Eigenes Pine Script
Wenn du genau wissen willst, was du siehst, schreibst du den RSL selbst. Das ist mit Pine Script v6 kürzer als dieser Absatz:
//@version=6
indicator("RSL nach Levy", shorttitle = "RSL", overlay = false)
// 27 im Wochenchart (Levy), ca. 130 im Tageschart
len = input.int(27, "Perioden", minval = 2)
avg = ta.sma(close, len)
rsl = close / avg
plot(rsl, "RSL", color = color.new(#093E43, 0), linewidth = 2)
hline(1.0, "RSL = 1", color = color.gray, linestyle = hline.style_dashed)
alertcondition(ta.crossover(rsl, 1.0), "RSL kreuzt 1 nach oben", "RSL von {{ticker}} über 1,0")
alertcondition(ta.crossunder(rsl, 1.0), "RSL kreuzt 1 nach unten", "RSL von {{ticker}} unter 1,0")
So bekommst du das Skript in deinen Chart:
- Öffne einen Chart und unten den Pine Editor.
- Lege ein neues Indikator-Skript an, lösche den Beispielcode und füge den Code oben ein.
- Speichere das Skript, etwa unter „RSL nach Levy“.
- Klicke auf „Zum Chart hinzufügen“. Der RSL erscheint in einem eigenen Bereich unter dem Kurs, mit einer gestrichelten Linie bei 1,0.
- Stelle den Chart auf 1W (Woche) und lass die Periodenzahl auf 27. Für die Tagesvariante wählst du den Tageschart und trägst in den Einstellungen 130 ein.
Was der Code macht: ta.sma(close, len) berechnet den einfachen gleitenden Durchschnitt der Schlusskurse über die gewählte Periodenzahl, der aktuelle Balken eingeschlossen. close / avg ist der RSL. Die beiden alertcondition()-Zeilen erlauben dir Alarme, wenn der RSL die 1 von unten oder oben kreuzt. Sie machen das Skript außerdem für den Pine Screener gut nutzbar.
Wie du eigene Indikatoren grundsätzlich im Screener einsetzt, findest du ausführlicher in meinem Beitrag TradingView Pine Screener mit eigenen Indikatoren.
RSL-Ranking mit dem Pine Screener
Ein einzelner RSL-Wert sagt wenig. Erst der Vergleich vieler Aktien am selben Tag macht ihn nützlich. Genau dafür ist der Pine Screener gebaut. Laut TradingView kombiniert er eine Quelle (eine Watchlist oder einen großen Index) mit einem Indikator. Die Plots des Indikators erscheinen als Spalten, nach denen du sortieren kannst.
- Öffne über „Produkte“ → „Screener“ → „Pine“ den Pine Screener.
- Wähle als Quelle deine Watchlist oder über den Tab „Index“ einen Index wie den DAX. Laut TradingView-Blog vom September 2026 kannst du Indizes direkt als Quelle wählen und musst Skripte nicht mehr vorher zu den Favoriten hinzufügen.
- Klicke auf „Indikator hinzufügen“ und wähle dein Skript „RSL nach Levy“.
- Stelle das Intervall auf 1 Woche und prüfe, dass die Periodenzahl 27 beträgt.
- Starte den Scan und sortiere die Spalte „RSL“ absteigend.
- Optional legst du einen Filter an, etwa „RSL größer als 1“, um nur Werte über ihrem Halbjahresschnitt zu sehen.
Einige Grenzen nennt TradingView selbst: Es kann nur ein Indikator pro Screen verwendet werden, eigene Zeitrahmen werden nicht unterstützt (1 Woche und 1 Tag schon), und der Indikator rechnet nur auf den letzten 500 Balken. Für 27 Wochen oder 130 Tage reicht das locker. Indizes werden laut Help Center bis zu 4.000 Symbole als Quelle unterstützt. Nach unserem Tarifabgleich ist der Pine Screener derzeit ab dem Premium-Tarif enthalten. Prüfe das vor einem Abo auf der Preisseite von TradingView.
Transparenz: Der folgende TradingView-Link ist ein Affiliate-Link.
* Partnerlink. Prüfe, welcher Tarif den Pine Screener enthält.
Eine einfache Screening-Routine
So könnte eine wöchentliche Routine aussehen. Sie ist ein Beispiel für einen strukturierten Ablauf, keine Handelsempfehlung:
- Samstag oder Sonntag: Pine Screener auf deinen Index oder deine Watchlist laufen lassen, Intervall 1 Woche.
- Sortieren: nach RSL absteigend. Notiere zum Beispiel das obere Zehntel der Liste. Levy hat die stärksten 10 % mit den schwächsten verglichen.
- Chart-Check: Jeden Kandidaten im Wochen- und Tageschart ansehen. Läuft ein sauberer Trend, oder ist der RSL nur durch einen einzigen Kurssprung nach oben geschnellt?
- Liquidität prüfen: Exoten mit wenig Umsatz fliegen raus.
- Termine prüfen: Stehen Quartalszahlen an, kann der Kurs springen.
- Plan schreiben: Einstieg, Stop, Positionsgröße. Erst dann einen Alarm setzen.
Rechenbeispiel (rein illustrativ): In einer Watchlist mit 40 Werten liegen nach dem Scan 18 über RSL 1,0. Die vier Spitzenwerte haben RSL 1,24, 1,19, 1,15 und 1,12. Ein Wert mit RSL 1,12 klingt gut. Wenn aber das halbe Feld bei 1,10 liegt, ist er nur Durchschnitt der Starken. Deshalb zählt der Rang, nicht die absolute Zahl. In einem fallenden Markt kann der stärkste Wert sogar unter 1,0 liegen.
Wie du aus solchen Kandidaten eine handhabbare Liste machst, zeige ich in Trendaktien mit TradingView finden. Der RSL ist dort ein guter zusätzlicher Sortierschlüssel.
Dasselbe Prinzip funktioniert auch eine Ebene höher, bei ganzen Branchen: Welche Sektoren sind gerade relativ stark? Wer das nicht selbst mit Ratio-Charts verfolgen will, findet eine fertig aufbereitete Übersicht zum Beispiel im Money Flow Tape* von indicator.trading (Partnerlink, laut Anbieter 14 Tage kostenlos, von mir nicht selbst getestet).
Stärken und Schwächen des RSL
Was der RSL gut kann
- Er ist einfach, transparent und in jeder Tabellenkalkulation nachrechenbar.
- Er macht Aktien mit sehr unterschiedlichen Kursen vergleichbar.
- Er zwingt dich zu einer regelbasierten Auswahl statt zu Bauchgefühl.
- Er passt gut zum Grundgedanken der Trendfolge: Stärke beobachten, nicht vorhersagen.
Was der RSL nicht kann
- Keine Marktrichtung: Die Rangliste ist immer gefüllt, auch wenn der Gesamtmarkt fällt. Viele Anwender schalten deshalb einen Marktfilter vor, etwa den Index über seinem eigenen Durchschnitt.
- Kein Timing: Der RSL steigt erst über 1, wenn der Kurs seinen Durchschnitt schon überholt hat. Du kaufst also nie am Tief.
- Keine Risikoaussage: Die Schwankungsbreite fließt nicht ein. Hohe RSL-Werte findest du oft bei sehr volatilen Titeln, die auch heftig abstürzen können.
- Trendwechsel: Bei abrupten Umschwüngen hinkt der Durchschnitt hinterher. Ein starker Wert kann schnell zum Verlierer werden.
- Survivorship Bias: Wenn du historische Tests nur mit den heutigen Indexmitgliedern rechnest, fehlen die Firmen, die abgestürzt oder aus dem Index geflogen sind. Das lässt Ergebnisse besser aussehen, als sie waren.
- Kosten: Häufiges Umschichten kostet Gebühren, Spreads und gegebenenfalls Steuern. Michael C. Jensen und George A. Benington haben Levys Ergebnisse 1970 kritisch nachgeprüft und kamen zu einem deutlich nüchterneren Bild.
Mein Fazit nach über 30 Jahren Börse: Der RSL ist ein ehrlicher Sortierschlüssel, kein Gral. Er hilft dir, die Aufmerksamkeit auf die richtigen Charts zu lenken. Ein Stop und eine vernünftige Positionsgröße ersetzt er nicht. Wie du aus Bausteinen wie diesem ein eigenes Regelwerk baust, beschreibe ich in Trendfolge-System erschaffen.
GRATIS FÜR NEWSLETTER-ABONNENTEN
Gratis: TradingView-Checkliste für Trendaktien
5 Seiten mit 8 Schritten, die du vor jedem Trade prüfst und abhakst. Zum Ausdrucken, ohne Indikator-Wundertüte:
- Screener-Treffer finden und eine kleine Watchlist pflegen
- Chart-Check vor dem Einstieg und Alarm richtig setzen
- Positionsgröße und Stop-Loss berechnen
- Erst Paper Trading, dann Journal und Wochen-Review
Checkliste kostenlos anfordern →
Die Checkliste bekommst du per E-Mail, wenn du dich für meinen kostenlosen Newsletter anmeldest (TradingView-Tipps, Börsenwissen und ausgewählte Angebote). Double-Opt-in: Angemeldet bist du erst nach dem Klick in der Bestätigungsmail. Versand über Brevo, jederzeit über den Abmeldelink widerrufbar. Datenschutzhinweise. Keine Anlageberatung.
FAQ
Wie berechnet man die Relative Stärke nach Levy?
Du teilst den aktuellen Kurs durch den gleitenden Durchschnitt der letzten 27 Wochenschlusskurse, der aktuelle Kurs eingeschlossen. Ein Ergebnis über 1 bedeutet, dass der Kurs über diesem Durchschnitt liegt.
Welche Einstellung nehme ich in TradingView?
Für Levys Original stellst du den Chart auf 1 Woche und die Periodenzahl auf 27. Im Tageschart nutzen viele etwa 130 Perioden als Annäherung an 26 Wochen. Bleib konsequent bei einer Variante.
Gibt es den RSL als fertigen Indikator in TradingView?
In der Community-Bibliothek gibt es fertige Skripte, etwa „Relative Strength Levy“. Prüfe deren Code, bevor du sie nutzt. Alternativ verwendest du den kurzen Pine-Code aus diesem Beitrag und weißt genau, was gerechnet wird.
Ab welchem RSL-Wert gilt eine Aktie als stark?
Einen festen Schwellenwert gibt es nicht. Levy hat Aktien nach ihrem Rang sortiert. Ob 1,10 viel ist, hängt davon ab, wie die übrigen Werte am selben Tag stehen.
Kann ich den RSL im Pine Screener nutzen?
Ja. Der Indikator braucht mindestens einen Plot oder eine alertcondition, beides enthält der Code oben. Als Intervall wählst du 1 Woche oder 1 Tag. Prüfe vorher, ob dein Tarif den Pine Screener enthält.
Was ist der Unterschied zwischen RSL und RSI?
Der RSI vergleicht Gewinne und Verluste über meist 14 Perioden und liegt zwischen 0 und 100. Der RSL setzt den Kurs ins Verhältnis zu seinem 27-Wochen-Durchschnitt und hat keine Obergrenze.
Quellen
- Levy, R. A. (1967): Relative Strength as a Criterion for Investment Selection, Journal of Finance 22(4), 595–610 (DOI)
- Jensen, M. C.; Benington, G. A. (1970): Random Walks and Technical Theories: Some Additional Evidence, Journal of Finance 25(2) (DOI)
- TradingView Help Center: Der Pine-Screener – Funktionen und Anforderungen
- TradingView Blog: Pine Screener – scan any index, pick any script
- TradingView: Community-Skript „Relative Strength Levy“
- TradingView: Pine Script v6 Referenzhandbuch
- TradingView: Tarife und Preise
Risikohinweis – keine Anlageberatung
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Beispiele sind rein illustrativ. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Wertentwicklung und historische Studien sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Prüfe vor jeder Entscheidung die aktuellen Unterlagen und Konditionen des jeweiligen Anbieters.
Über den Autor: René schreibt als Trendaktienhamster über TradingView, Trendaktien und Broker – mit über 30 Jahren Börse im Rücken und dem Ziel, dass du Werkzeuge verstehst, bevor du sie einsetzt. Mehr über René
